Laut der Brandursachenstatistik des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung (IFS) ist Elektrizität seit Jahren die häufigste Brandursache in Deutschland. Meist steckt kein spektakulärer Defekt dahinter, sondern alte Leitungen, überlastete Mehrfachsteckdosen oder lose Klemmen, die über Wochen unbemerkt warm werden. Die gute Nachricht: Mit Rauchmeldern, den richtigen Schutzschaltern und einer fachgerecht verlegten Installation lässt sich das Risiko deutlich senken. In diesem Ratgeber erfahren Sie, worauf es ankommt und woran Sie Warnzeichen erkennen.
Warum Elektrik Brände auslöst
Strom erzeugt Wärme, wenn er auf Widerstand trifft. Solange Leitungen, Klemmen und Geräte richtig bemessen und intakt sind, bleibt diese Wärme harmlos. Gefährlich wird es in diesen Fällen:
- Überlastung: Zu viele Geräte an einem Stromkreis oder an einer Mehrfachsteckdose lassen Leitungen heiß werden.
- Lose oder korrodierte Verbindungen: An schlechten Kontakten entsteht ein hoher Übergangswiderstand und damit punktuell große Hitze.
- Beschädigte Isolierung: Geknickte, gequetschte oder von Nagern angefressene Kabel können Kurzschlüsse und Lichtbögen verursachen.
- Veraltete Installationen: Leitungen aus den 1950er- bis 1970er-Jahren sind oft nicht für heutige Verbraucher wie Wasserkocher, Heizlüfter oder Wallbox ausgelegt.
- Unsachgemäße Arbeiten: Selbst verlegte Leitungen, zu große Sicherungen oder fehlende Schutzleiter.
Warnzeichen, die Sie ernst nehmen sollten
Viele elektrische Brände kündigen sich vorher an. Achten Sie auf diese Anzeichen:
- Steckdosen, Schalter oder Stecker werden spürbar warm oder verfärben sich.
- Es riecht verschmort oder nach heißem Kunststoff, ohne dass ein Gerät läuft.
- Das Licht flackert, obwohl die Leuchtmittel in Ordnung sind.
- Sicherungen oder der FI-Schutzschalter lösen immer wieder aus.
- Aus Steckdosen oder dem Sicherungskasten ist ein Knistern oder Summen zu hören.
Rauchmelder: Pflicht und richtige Montage
Rauchmelder verhindern keinen Brand, aber sie warnen früh genug, damit alle das Haus verlassen können. Die meisten Brandopfer sterben nicht an den Flammen, sondern an einer Rauchvergiftung, oft im Schlaf.
In allen Bundesländern gilt eine Rauchmelderpflicht für Wohnungen. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg müssen Schlafräume, Kinderzimmer und die Flure, die als Rettungsweg aus diesen Räumen dienen, mit mindestens einem Rauchmelder ausgestattet sein. Für Montage und Wartung gilt die Norm DIN 14676:
- Rauchmelder gehören an die Decke, möglichst in die Raummitte, mit mindestens 50 Zentimetern Abstand zu Wänden, Möbeln und Lampen.
- In Küche und Bad führen Dampf und Kochdunst zu Fehlalarmen. Für die Küche gibt es spezielle Hitzemelder.
- Testen Sie die Melder mindestens einmal im Jahr mit der Prüftaste und kontrollieren Sie, ob die Öffnungen frei von Staub sind.
- Geräte mit fest eingebauter Langzeitbatterie ersparen den Batteriewechsel. Nach etwa zehn Jahren wird der Melder ausgetauscht.
- Vernetzte Melder schlagen in allen Räumen gleichzeitig Alarm. Das ist besonders in Häusern mit mehreren Etagen sinnvoll.
FI-Schutzschalter und Brandschutzschalter
Der FI-Schutzschalter, auch RCD genannt, schaltet den Strom ab, sobald ein Fehlerstrom gegen Erde fließt. Er schützt in erster Linie Menschen vor einem lebensgefährlichen Stromschlag, senkt aber auch die Brandgefahr durch Isolationsfehler. Für Steckdosenstromkreise in neuen Anlagen ist ein FI-Schutzschalter mit 30 Milliampere seit 2009 vorgeschrieben. In vielen älteren Wohnungen fehlt er bis heute.
Warum ein FI-Schutzschalter auslöst und was Sie dann tun sollten, lesen Sie in unserem Ratgeber FI-Schutzschalter löst aus.
Brandschutzschalter (AFDD)
Ein Brandschutzschalter, im Fachjargon Fehlerlichtbogen-Schutzeinrichtung oder AFDD, erkennt gefährliche Lichtbögen. Sie entstehen zum Beispiel an gebrochenen Leitungen, angebohrten Kabeln oder lockeren Klemmen. Weder die Sicherung noch der FI-Schutzschalter bemerken solche Lichtbögen, obwohl sie Temperaturen von mehreren Tausend Grad erreichen können.
In bestimmten Gebäuden, etwa in Kindertagesstätten oder Pflegeeinrichtungen, ist der Brandschutzschalter bei neuen Anlagen vorgeschrieben. In der Wohnung oder im Einfamilienhaus ist er freiwillig, für Schlaf- und Kinderzimmer aber eine sinnvolle Ergänzung.
Sichere Verkabelung: worauf es ankommt
- Leitungsquerschnitt und Sicherung müssen zusammenpassen. Eine zu große Sicherung schützt die Leitung nicht mehr vor Überhitzung.
- Leitungen werden in festgelegten Installationszonen verlegt, damit beim Bohren niemand ein Kabel trifft.
- Verbindungen gehören in geschlossene Abzweig- oder Gerätedosen und nicht lose in die Wand.
- Große Verbraucher wie Herd, Durchlauferhitzer, Wallbox oder Wärmepumpe brauchen einen eigenen Stromkreis.
- Alte Zweileiter-Installationen ohne Schutzleiter und Leitungen mit brüchiger Isolierung sollten erneuert werden.
Steht ohnehin eine Renovierung an, lohnt sich ein Blick in den Sicherungskasten. Wann ein Austausch sinnvoll ist, erklärt unser Beitrag Sicherungskasten erneuern.
Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabel richtig nutzen
- Stecken Sie Mehrfachsteckdosen nicht hintereinander. Sonst läuft die gesamte Last über die erste Steckdose.
- Rollen Sie Kabeltrommeln bei hoher Last immer ganz ab, sonst staut sich die Wärme in der Wicklung.
- Schließen Sie Heizlüfter, Wasserkocher und andere Geräte mit hoher Leistung direkt an die Wandsteckdose an.
- Führen Sie Kabel nicht unter Teppichen hindurch und klemmen Sie sie nicht in Türen oder Fenstern ein.
- Achten Sie beim Kauf auf ein Prüfzeichen wie das GS-Zeichen und tauschen Sie beschädigte Leisten sofort aus.
Wann ein Elektriker die Anlage prüfen sollte
Eine Prüfung der Elektroanlage, oft E-Check genannt, deckt Schwachstellen auf, bevor etwas passiert. Sinnvoll ist sie vor allem in diesen Situationen:
- beim Kauf oder bei der Übernahme einer älteren Immobilie
- vor einer Renovierung oder wenn neue, leistungsstarke Geräte dazukommen
- wenn eines der oben genannten Warnzeichen auftritt
- bei vermieteten Wohnungen, denn Vermieter sind für einen sicheren Zustand der Anlage verantwortlich
- nach einem Wasserschaden oder einem Brand
Was dabei genau geprüft wird, lesen Sie in unserem Ratgeber E-Check: Was wird geprüft?. Über Elektriker Neumann kommt ein Elektriker aus unserem Partnernetz zu Ihnen, prüft die Anlage und nennt Ihnen die Kosten, bevor er mit der Arbeit beginnt.
Häufige Fragen
Mindestens einmal im Jahr mit der Prüftaste. Prüfen Sie dabei auch, ob die Öffnungen für den Rauch frei von Staub sind. Nach etwa zehn Jahren wird der Melder ausgetauscht.
Teilweise. Er erkennt Fehlerströme gegen Erde und schaltet ab, bevor sie eine Leitung gefährlich erhitzen. Lichtbögen zwischen zwei Leitern erkennt er aber nicht. Dafür gibt es den Brandschutzschalter (AFDD).
In normalen Wohnungen und Einfamilienhäusern nicht. Vorgeschrieben ist er bei neuen Anlagen nur in bestimmten Gebäuden, zum Beispiel in Kindertagesstätten oder Pflegeeinrichtungen. Für Schlaf- und Kinderzimmer kann er trotzdem sinnvoll sein.
Typische Hinweise sind ein Sicherungskasten ohne FI-Schutzschalter, Steckdosen ohne Schutzkontakt, zweiadrige Leitungen ohne grün-gelben Schutzleiter und Sicherungen, die häufig auslösen. Ein Elektriker kann den Zustand vor Ort beurteilen.
Ziehen Sie die Stecker aus dieser Steckdose, wenn das gefahrlos möglich ist, und schalten Sie den Stromkreis am Sicherungskasten ab. Nutzen Sie die Steckdose erst wieder, wenn ein Elektriker sie geprüft hat.
Fazit
Elektrische Brände lassen sich mit einfachen Mitteln deutlich unwahrscheinlicher machen: Rauchmelder an den richtigen Stellen, ein FI-Schutzschalter für alle Steckdosenstromkreise, bei Bedarf ein Brandschutzschalter und eine Installation, die zu den heutigen Geräten passt. Nehmen Sie Warnzeichen wie Brandgeruch oder warme Steckdosen ernst und lassen Sie ältere Anlagen prüfen. Elektriker Neumann ist rund um die Uhr erreichbar, auch am Wochenende.
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